Merian magazine 02/96 - page 3/4
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Die Wüste bleibt die Herrin...

die mit falschen Versprechungen aus dem grünen chilenischen Süden in die Wüste gelockt worden waren und nun keine andere Heimat hatten als die tristen Baracken der oficinas.

Im Jahr 1907 kam es zum Blutbad von Iquique: Eine Streikversammlung aufgebrachter pampinos wurde von der Armee mit Maschinengewehren zusammengeschossen. Wie viele Opfer die "Matanza von Iquique" forderte, wurde nie genau ermittelt. Ein Menschenalter später, 1971, wurden bei der Auflassung eines alten Friedhofs in Iquique in einem Massengrab noch 287 Skelette geborgen.

Der Erste Weltkrieg läutete den Anfang vom Ende des Salpeterbooms ein. Abermals war es ein Deutscher, der dabei Pate stand: Dem Chemie-Professor Fritz Haber gelang 1914 in Berlin die synthetische Herstellung von Salpetersäure, was einerseits dem deutschen Heer die Munitionsversorgung sicherte, andererseits die billige Massenproduktion von Kunstdünger ermöglichte (wofür Haber 1918 den Nobelpreis erhielt). Damit war die chilenische Salpeterindustrie zum Tode verurteilt. Sie siechte noch eine Zeitlang dahin, dann war es aus.

Doch bis heute bewahrt Iquique, die alte Salpetermetropole, die Erinnerung an die goldenen Jahre. Blut und Geld, das lag damals dicht zusammen. Die "Matanza" ist verdrängt, aber im Museum hängen die Porträts der Salpeterbarone und der Frack von James Humberstone, und manche Straßenzüge zeugen mit ihren doppelstöckigen, säulengeschmückten Holzhäusern (jedes Brett, jeder Balken mußte importiert werden) noch vom Stolz der Gründergeneration. Die Plaza mit ihrem Uhrturm, der klassizistischen Fassade des Stadttheaters, den mediterranen Palmen und dem aristokratischen Club Español zeigen, was Iquique einst sein wollte: ein Stück Europa am Ende der Welt.

Längst schieben sich neue Hochhäuser wie Metastasen in das alte Stadtbild, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann

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ÜBER 400 JAHRTAUSENDEALTE MUMIEN
VON ATACAMEÑOS WERDEN IM
MUSEUM VON SAN PEDRO GEZEIGT

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CHILES ATACAMA
IST EIN TOPOGRA-
PHISCHES NIRWANA.
WÜSTEN, WIND UND
WANDERDÜNEN VER-
WEHEN ALLE LE-
BENSSPUREN. UND
KONSERVIEREN SIE

es vollständig verschwunden sein wird. Denn dies ist ja auch Amerika: Die Vergangenheit ist Vergangenheit, will sagen: vorbei, erledigt, begraben. Was zählt, ist die Gegenwart, ist die Veränderung, ist das Neue, ist das Morgen.

Das neue Herz der Atacama schlägt weit weg von der Küste, im Zentrum der Wüste. Sein Name ist Chuquicamata: die größte Kupfergrube der Welt, die reichste Schatzkammer Chiles.

In Chuquicamata hat der Mensch die Wüste überwunden. Er ist nicht mehr ihr Sklave, sondern ihr Herr. Er beutet sie aus, mit der ganzen Intelligenz und Gewalt, deren er fähig ist. Es wird kein Arbeiterschweiß mehr vergossen in Chuquicamata, die Arbeit machen die Maschinen, und die Männer, die die Maschinen bedienen, gehören mit einem Durchschnittslohn von 1500 Dollar im Monat zu den bestbezahlten in Chile.

Die Maschinen haben im Lauf von Jahrzehnten den größten künstlichen Krater der Erde in die Wüste gefressen. Das Loch ist zur Zeit zwei Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit und 677 Meter tief, und es wird jeden Tag größer und tiefer. Die ganze gigantische Maschine namens Chuquicamata - von der Erzaufberei-

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Last update: 7-Jul-1999 by Ph. Noth